Leitbild

Ziele unsere Arbeit:

Hein und Fiete ist ein zielgruppenspezifisches Primär-Präventionsprojekt. Unsere Zielgruppe sind Schwule, Bisexuelle und Männer, die Sex mit Männern haben (MSM).

Vor jeder Infektion steht das Infektionsrisiko und damit die Aufgabe, ungewollte Neuinfektionen vermeiden zu helfen. Das Prinzip der strukturellen Prävention, das Hein & Fiete realisiert, trägt der Tatsache Rechnung, dass Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention wie Glieder einer Kette ineinander greifen.

Je rascher ungewollte Neuinfektionen zunehmen und je schwächer das erste Glied der Präventionskette ist, umso größer wird die Last, die auf das zweite und dritte Kettenglied einwirkt. Bricht das erste Glied, so droht eine Kettenreaktion der Nachsorgeüberforderung. Deshalb gebührt der Primärprävention der erste Rang.

Wir orientieren uns an den Prinzipien der strukturellen Prävention. Strukturelle Prävention zielt auf eine Verknüpfung von Verhaltens- und Verhältnisprävention ab. Sie ist erforderlich, weil die individuellen Verhaltensmöglichkeiten von Personen stets maßgeblich von ihren Lebensumständen geprägt sind. Somit stehen 1) der Abbau von gesellschaftlichen und umfeldbedingten Benachteiligungen aufgrund der sexuellen Orientierung von MSM, 2) die Förderung der Solidargemeinschaft und 3) die Emanzipation von schwulen Männern im Zentrum der Arbeit.

Ziele der Präventionsarbeit bei Hein & Fiete

  • Gesundheit von MSM zu erhalten und zu fördern
  • Senkung der HIV-Neuinfektionen bei MSM in Hamburg
  • Eindämmung anderer sexuell übertragbarer Krankheiten (STI) bei MSM in Hamburg
  • Förderung eines nachhaltigen Schutzverhaltens bei MSM mit dem Schwerpunkt auf epidemiologisch wichtige Kontaktsituationen (Situationen mit hohem Infektionsrisiko)
  • Verbesserung des Informiertheitsgrades von MSM über HIV/STI, Übertragungsrisiken und Schutzmöglichkeiten
  • Abbau von gesellschaftlichen und umfeldbedingten Benachteiligungen von MSM und Förderung der Solidargemeinschaft und Emanzipation von schwulen Männern
  • Förderung individueller Handlungskompetenz, um eine informierte Entscheidung über sexuelle Risiken möglich zu machen
  • Erhöhung der Motivation von MSM, sich vor einer HIV/STI-Infektion zu schützen

Menschenbild

Das Menschenbild, auf das sich die Arbeit bei Hein & Fiete stützt, ist humanistisch geprägt und den Menschenrechten verpflichtet. Wir achten stets die Würde des Menschen, sein Recht auf individuelle Emanzipation, seine Anonymität und seinen kulturellen Hintergrund. Wir orientieren uns an den humanistischen Prinzipien der Gewalt- und Gewissensfreiheit und der Akzeptanz verschiedener Lebensweisen.

Menschen können und sollen sich nach diesem Verständnis frei entscheiden,  frei entwickeln und frei handeln:

  • Sie sind frei in ihrer Lebensgestaltung, Weltanschauung und Religion.
  • Sie können lernen, Optionen, die für ihre Entwicklung förderlich sind, wahrzunehmen, zu wählen und umzusetzen.
  • Die Freiheit eines Menschen endet dort, wo er die Freiheit eines anderen einschränkt, die Schwäche eines anderen ausnutzt oder das Vertrauen eines anderen missbraucht.

Gesundheitsbegriff

Allgemein gilt:

Gesundheit ist ein grundlegendes Menschenrecht.

Gesundheit ist mehr als nur die Abwesenheit von Krankheit. Sie ist ein Zustand, der körperliche, psychische und soziale Aspekte des Wohlbefindens umfasst. Die verschiedenen Aspekte von Gesundheit verstehen wir mehr als selbstbestimmte Verfügung des Einzelnen über seine Lebensumstände (angelehnt an die WHO).

Selbstbestimmung und somit die Entfaltung persönlicher Potentiale, besonders in den Lebensbereichen Sexualität und Gesundheit, werden von uns geachtet und gefördert. Folglich orientiert sich unsere Arbeit an der Ottawa-Charta (1986) und dem ihr zu Grunde liegenden Lebensweisen- bzw. Lebensweltenkonzept der WHO sowie an den Richtlinien der Deutschen Aids–Hilfe e.V. (DAH).

Selbstverständnis und Arbeitsgrundlage

Abgeleitet von dem Menschenbild und dem Gesundheitsbegriff sehen wir Präventionsarbeit als Aufklärungsarbeit, die den Einzelnen befähigt, die Verantwortung für seine Gesundheit zu übernehmen und über potentielle Risiken umfassend informiert zu sein.

Im Zentrum unserer Arbeit stehen der Mensch, seine Gesundheit und seine Lebenswelt. Wir als Einrichtung realisieren demzufolge strukturelle Prävention im primärpräventiven Bereich HIV/AIDS und STI bei MSM.

Das Konzept der strukturellen Prävention nimmt das Verhalten Einzelner ebenso in den Blick, wie die Verhältnisse, in denen sie leben. Wir richten unsere Angebote zu gesundheitsförderndem Verhalten an den Lebenswelten und Bedürfnissen unserer Zielgruppe aus, fördern Selbsthilfe und Selbstorganisation, mahnen dort Veränderungen an, wo Politik und Gesellschaft Gesundheitsförderung behindern.

Bausteine der strukturellen Prävention sind die Verhaltens- und Verhältnisprävention.

§  Verhaltensprävention:

1) Kommunikation von Informationen über Übertragungswege von HIV und STI
2) Kommunikation sexueller Praktiken und ihrer Risiken
3) Unterstützung gesundheitsfördernder Handlungen und
4) Nachhaltige Stärkung des Schutzverhaltens.

§  Verhältnisprävention:

1) Verbesserung der Lebensverhältnisse von MSM im persönlichen und gesellschaftlichen Umfeld
2) Förderung von Schutzverhalten
3) Vermittlung von Lebensweltakzeptanz
4) Unterstützung von Emanzipation
5) Vernetzung und
6) Widerstand gegen Diskriminierung.

Qualität der Arbeit

Fachlichkeit und Koordination werden professionell durch das hauptamtliche Team gewährleistet. Der Schlüssel für eine erfolgreiche Präventionsarbeit liegt in personalkommunikativen Interventionen, die im Zusammenspiel und durch partizipative Ansätze mit ehrenamtlichen Mitarbeitern verwirklicht werden.

Wir handeln nach professionellen Grundsätzen, wie Kenntnisse der Lebenswelten von schwulen und bisexuellen Männern, Kompetenz bei Gesundheitsthemen, Kreativität, Offenheit und Akzeptanz. Wir verstehen es, ehrenamtliche Mitarbeiter zu motivieren und bieten ihnen eine Reflexion ihrer Arbeit an.

Wir arbeiten auf der Basis gemeinsam entwickelter Qualitätsstandards und Konzepte und fördern die Qualifizierung bzw. Fortbildung von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Demzufolge stellen wir eine lernende Organisation dar, d.h. wir gehen auf neue Entwicklungen ein, eignen uns kontinuierlich Wissen an und übertragen gewonnene Erkenntnisse in unser Projekt.

Wir wirken durch unsere Präventionsarbeit mit ehrenamtlichen Mitarbeitern über unterschiedliche Multiplikatoren auf die Zielgruppe ein. Unsere Präventionsmaßnahmen sind an den Bedarfen unserer Zielgruppe ausgerichtet und längerfristig, breit gefächert und nachhaltig angelegt.

Auf Grund der inhaltlichen Ausrichtung unserer Arbeit sowie der strukturellen Einbindung des Projekts ergeben sich Grenzen in Bezug auf die konkrete Arbeit von Hein & Fiete bei den Themen: Rassismus, Bareback und Padophilie

Rassismus:

Wir sind eine offene Einrichtung für alle Menschen der Zielgruppe unabhängig von ihrer politischen, religiösen, weltanschaulichen oder sozialen Einbindung und Herkunft. Handlungen und Äußerungen, die eine bestimmte Gruppe oder Minderheit verunglimpfen oder herabwürdigen finden daher bei Hein & Fiete keinen Platz.

Bareback:

Als HIV-Präventionsprojekt tragen wir nicht zur Vermittlung und Verbreitung von Bareback bei.

Pädophilie

Zum Schutz von Minderjährigen lehnen wir Pädophilie ab. Wir bieten keine Kontaktvermittlung  und keinen Raum als Treffpunkt an.

Orientierung an schwuler Lebenswelt und Sexualität

Es ist für uns unerlässlich, zu schauen, wie vielfältig schwule Männer ihr Leben gestalten und welchen Veränderungsprozessen schwules Leben ausgesetzt ist. Nur so ergeben sich Anknüpfungspunkte, die eine Orientierung an der Pluralität schwuler Lebensweisen ermöglichen.

Da Sex bei der Übertragung von HIV und STI eine wichtige Rolle spielt, und da Schwule ihre Identität mittels ihrer sexuellen Aktivität ausdrücken und entfalten, beinhaltet Prävention auch immer „Reden über Sex“.

Die HIV/STI-Präventionsarbeit von Hein & Fiete bietet durch die große Nähe zum sexuellen Verhalten von MSM eine Unterstützung bei der Entscheidung für Safer Sex und bei der Emanzipation und Stärkung schwuler Lebensformen.

Emanzipation ist Prävention!

Hein & Fiete als Ehrenamtsprojekt

Das Rückgrat der Präventionsarbeit von Hein & Fiete ist das ehrenamtliche Engagement schwuler und bisexueller Männer. Dabei arbeitet das Projekt nach dem Konzept des „peer involvement“, d.h. Mitglieder aus der Zielgruppe engagieren sich und vermitteln unsere Präventionsbotschaften in ihre jeweils eigene Gruppe hinein. Damit ist ein hohes Maß an Authentizität gewährleistet.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter kommen aus ganz verschiedenen schwulen Szenen und gewährleisten, dass Hein & Fiete in Kontakt zu diesen Szenen bleibt oder den Kontakt aufbauen kann. Jeder ehrenamtliche Mitarbeiter bringt seine individuellen Fähigkeiten und Kompetenzen in die Arbeit ein und es ist eben diese Vielschichtigkeit, die  uns eine breite Gestaltungsmöglichkeit der Präventionsarbeit ermöglicht.

Organisatorische Einbindung und Vernetzung

Hein & Fiete ist in verschiedenen Netzwerken eingebunden, um an einem Informationsaustausch teilzuhaben und unsere Interessen vertreten zu können.

Wir sind Mitglied der DAH und des paritätischen Wohlfahrtsverbands und nutzen deren Ressourcen und deren Infrastruktur, wie z.B. Informationsmaterial und Fortbildungsangebote.

Hein & Fiete steht innerhalb der Stadt Hamburg und bundesweit mit anderen Projekten, die in der HIV-Prävention und in schwulen Szenen aktiv sind in einem regelmäßigen Informationsaustausch, um die eigene Arbeit zu reflektieren und zukünftige Entwicklungen zu erkennen und angemessen konzeptualisieren und reagieren zu können.

Weiterhin arbeiten wir mit privatwirtschaftlichen und öffentlichen Kooperationspartnern zusammen. Diese unterstützten unsere Arbeit maßgeblich und ermöglichen die Durchführung von Interventionen und Kampagnen.