PrEP

Kurz und knapp:
PrEP - Präexpositionsprophylaxe ist eine weitere Schutzstrategie, um eine HIV-Infektion zu verhindern und meint eine „Vor-Risiko-Vorsorge“. Wenn du HIV-negativ bist, kannst du ein Medikament einnehmen, welches eine Ansteckung mit HIV verhindert. Bevor du mit der PrEP startest, solltest du Dich unbedingt eingehend beraten lassen. Checke zu Beginn und danach alle drei Monate deine Nierenwerte und schließe anfangs auch aus, dass du eine unentdeckte Infektion mit Hepatitis B und/oder HIV hast. Damit du hierüber die Übersicht behältst, gibt es in Hamburg den PrEP-Check.
Lass dich hierzu Donnerstags zwischen 16:00 und 20:00 Uhr bei Hein & Fiete beraten!

Was bedeutet PrEP?
PrEP ist die Abkürzung für Präexpositionsprophylaxe, übersetzt etwa „Vor-Risiko-Vorsorge“. Bei einer PrEP nehmen HIV-negative Menschen ein HIV-Medikament vorbeugend ein, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen. In den meisten Studien wurde das Kombinationspräparat Truvada® verwendet.
Die PrEP wird manchmal verwechselt mit der PEP (Postexpositionsprophylaxe). Bei der PEP nimmt man kurz nach einem HIV-Risiko Medikamente ein, um eine Infektion noch zu verhindern.

Wie funktioniert die PrEP?
Das HIV-Medikament enthält die beiden Wirkstoffe Emtricitabin und Tenofovirdisoproxil, die HIV an der Vermehrung in den Körperzellen hindern. Gelangt das Virus beim Sex ohne Kondom in die Zellen von Schleimhäuten und Immunsystem, kann es sich dort nicht vermehren. Auf diese Weise kann eine HIV-Infektion verhindert werden, man bleibt – obwohl schon einzelne Körperzellen infiziert wurden - HIV-negativ.

Für wen ist die PrEP
Für alle die ein erhöhtes HIV Risiko haben. Wenn du Sex mit wechselnden Partnern hast, wenn bei dir in der letzten Zeit mal eine STI aufgetreten ist, wenn du beim Analverkehr immer mal wieder keine Kondome benutzt, wenn dein Sexpartner HIV-positiv ist, aber nicht behandelt wird, oder wenn du zum Sex Substanzen konsumierst, könnte die PrEP eine Option für dich sein.

Schützt die PrEP auch vor anderen Geschlechtskrankheiten?
Nein. Gegen Syphilis, Tripper, Chlamydien- und andere Infektionen bietet die PrEP keinen Schutz. Hier können Kondome bedingt schützen.

Wie starte ich mit der PrEP, was muss ich beachten?

  • Vorrausetzung ist, dass du HIV negativ bist und keine Nierenleiden hast, die die PrEP ausschließen. Solltest du bereits Probleme mit der Niere haben, kläre dies bitte zuerst mit deinem Arzt.
  • Am Anfang steht ein ausführliches Beratungsgespräch. Nimm dir also etwas Zeit mit.
  • Damit vor der Einnahme der PrEP sicher ausgeschlossen werden kann, dass du HIV-positiv bist ist ein HIV-Test erforderlich (HIV-Antikörper/Antigen-Kombinationstest).
  • Auch sollten Tests auf Hepatitis B und C durchgeführt werden. (Wenn nicht schon geschehen, lass dich gegen Hepatitis A und B impfen.)
  • Wichtig ist auch ein Check der Nierenfunktion („Kreatinin-Clearance“). Dies erfolgt ebenfalls mithilfe eines Bluttests. So kann von Anfang an gesehen werden ob du bereits Probleme hast mit den Nieren und dies erst weiter geprüft werden muss. Zeitgleich dient der Wert vor dem Beginn mit der PrEP als Vergleichswert mit späteren Nierenwerten. Auch so kann geprüft werden, ob die PrEP sich auf deine Nieren schädlich auswirkt.
  • Wenn du mehrere Sexpartner hast, ist es sinnvoll, auch einen Test auf Syphilis, Gonokokken und Chlamydien durchführen zu lassen.
  • Ist alles in Ordnung bekommst du ein Privatrezept für eine Dosis für 4 Wochen.
  • Vier Wochen nach dem Start der PrEP wird der Arzt nochmal einen HIV-Test durchführen um die diagnostische Lücke vor Beginn mit PrEP schließen zu können. Zusätzlich werden die Nieren getestet, um zu sehen ob es Veränderungen gibt, die einen Abbruch bzw. die Unterbrechung der PrEP notwendig machen.
  • Wenn wieder alles in Ordnung ist gibt es wieder ein Rezept, nun für eine Dosis von 90 Tagen.
  • Danach genügt es, alle drei Monate einen Test auf HIV, andere STIs und Kreatinin zu machen.
  • Damit du den vollen Überblick über alle Tests behältst, bekommst du von uns den „PrEP-Check“, ein Heft, in das alle Testergebnisse eingetragen werden können.

Welche (Schwerpunkt-) Ärzte sind mit der PrEP und dem PrEP Checkheft vertraut?

  • Dr. med. Dirk Berzow, Schäferkampsallee 56 – 58, 20357 Hamburg, Tel. 404711, info@praxis-eimsbüttel.de
  • Infektiologie am Ambulanzzentrum des UKE, Dr. med. Olaf Degen, Dr. med. Sandra Hertling, Dr. med. Stefan Schmiedel, Martinistraße 52, 20246 Hamburg, Tel. 741052831,infektionen@uke.de
  • Infektionsmedizinisches Centrum Hamburg Grindel, Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Stellbrink, Dr. med. Stefan Fenske, Dr. med. Thomas Buhk, Grindelallee 35, 20146 Hamburg, Tel. 4132420, grindel@ich-hamburg.de
  • Infektionsmedizinisches Centrum Hamburg Stadtmitte, Dr. med. Axel Adam, PD Dr. med. Christian Hoffmann, Stefan Hansen, Dr. med. Knud Schewe, Dr. med. Michael Sabranski, Dr. med. Karin Wirtz, Glockengießerwall 1, 20095 Hamburg, Tel. 28004200, stadtmitte@ich-hamburg.de
  • Stefan Linnig, Dammtorstraße 27, 20354 Hamburg, Tel. 35715638, www.dammtorpraxis.de
  • Institut für interdisziplinäre Medizin (ifi), Prof. Dr. med. Andreas Plettenberg, Dr. med. Albrecht Stoehr, Dr. med. Karen Olah, Stefan Unger, Thore Lorenzen, Asklepios Klinik St. Georg, Haus L, Lohmühlenstraße 5, 20099 Hamburg, Tel. 28407600, info@ifi-medizin.de
  • Josef Stuch, Ida-Ehre-Platz 12, 20095 Hamburg, Tel. 37510060, 

Wie wird eine PrEP eingenommen?
Wie du PrEP nimst, hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Wie weit im Voraus planst du Sex?
  • Wie regelmäßig hast du Sex?

Es hängt aber nicht unbedingt davon ab, wie viel Sex du hast.

Für die Einnahme gibt es mehrere Schemas die möglich sind. Die folgenden zwei wurden in Studien getestet:

  • Tägliche PrEP
    Bei einer täglichen PrEP nimmt man jeden Tag eine Tablette zusammen mit einer Mahlzeit ein (24 Stunden Abstand).
    Vor dem ersten Sex der dadurch geschützt werden soll, müssen mindestens 2 Pillen genommen sein. Die Einnahme dieser beiden Starterpillen erfolgt im Abstand von 24 Stunden. Die zweite der beiden Starterpillen muss dabei mindestens 2 Stunden vor dem Sex-Event genommen werden.
    Will man die PrEP Einnahme benden, so müssen noch mindestens 2 weitere Piillen im 24 Stunden Abstand nach dem letzten Sex genommen werden. 
    Diese Variante kommt für Personen mit häufigen (,spontanen) HIV-Risiken in Betracht und ist in Deutschland als Präventionsstrategie zugelassen.
  • Anlassbezogenen PrEP
    Bei einer anlassbezogenen PrEP, welche in Deutschland nicht zugelassen wurde, nimmt man das Medikament zusammen mit einer Mahlzeit nur einige Tage ein, zum Beispiel anlässlich einer Sexparty/des Urlaubes.
    Man beginnt mit zwei Tabletten am ersten Tag. Die Einnahme erfolgt Maximal 24 Stunden vor und mindestens zwei Stunden vor dem ersten Sex. Anschließend nimmt man  dann eine Tablette täglich (24 Stunden Abstand) und setzt die Einnahme nach dem letzten Sex noch zwei Tage fort.
    Folgt dem ersten Tag Sex ein oder mehrere tage mit Sex, muss für jeden dieser Tage ebenfalls eine Pille im 24 Stunden Rhythmus genommen werden.
    Die anlassbezogene PrEP ist nicht für Personen mit Hepatitis B.
    Die Anlassbezogene PrEP bietet nur für analen Sex Schutz. 
    Ärztliche Begleituntersuchungen und regelmäßige HIV-Test sind unbedingt erforderlich.
    Solltest du später erneut mit der PrEP starten wollen, ist ein aktueller HIV-Labortest erforderlich, bevor du die PrEP-Tabletten nimmst.

Welche Nebenwirkungen gibt es?
Die meisten Menschen vertragen das Medikament gut und spüren keine oder kaum Nebenwirkungen. Manche klagen (in den ersten Tagen) über Übelkeit, Durchfall, Kopf-, Bauch- und Gelenkschmerzen sowie Müdigkeit oder Schlafstörungen. Da einige Generika als Zusatzstoff Laktose enthalten kann dies eine Ursache für die Nebenwirkungen sein.
Die dauerhafte Einnahme kann die Leistungsfähigkeit der Niere etwas verringern. Diese Nebenwirkung tritt jedoch nur bei ca. 2-3 % der Nutzer auf und geht nach Absetzen vollkommen zurück. Für Gesunde stellt das kein relevantes Problem dar, aber wer kennt schon die Leistungsfähigkeit seiner Niere? Daher muss man vor dem Start der PrEP sowie jährlich durch Blutuntersuchungen die Niere überprüfen lassen. Wer Nierenerkrankungen hat, sollte keine PrEP einnehmen. PrEP 2015: Wirksamkeit und Verfügbarkeit (HIVreport 2015/2)

Wozu regelmäßige HIV-Tests?
Wenn die PrEP nicht richtig durchgeführt wird, kann es zu einer HIV-Infektion kommen. Wird die Infektion dann nicht schnell festgestellt, kann HIV gegen die Wirkstoffkombination resistent (unempfindlich) werden. Das Medikament kann dann zur Behandlung der HIV-Infektion nicht mehr eingesetzt werden. Wichtig ist daher, unmittelbar vor dem Start der PrEP sowie im weiteren Verlauf mindestens alle 3 Monate einen HIV-Test durchführen zu lassen. Weiterhin ist es wichtig, dass man auch alle 3 Monate gemeinsam mit dem HIV - Test einen STI (sexuell übertragbare Infektionen) - Check durchführen zu lassen, damit bakterielle Infektionen schnell behandelt werden können und aus dem Verkehr gezogen werden. 

Wie bekomme ich die PrEP und wer übernimmt die Kosten dafür?
Da das Medikament verschreibungspflichtig ist musst du dir dieses von einem (HIV-Schwerpunkt-)Arzt verschreiben lassen. Hinzukommt, dass PrEP noch keine gesetzliche Kassenleistung (eventuell wird dies ab ca. August der Fall sein) ist und somit von dir selbst bezahlt werden muss. Ausnahme ist hier die DAK, die pro Quartal 200 € an Kosten für die PrEP übernimmt. Dies reicht zumindest für die Pillen. Kosten für die Untersuchungen können beim Arzt evtl. anfallen, lass dich hierüber vorher vom Arzt informieren.
Du hast inzwischen die Möglichkeit zwischen 4 kostengünstigen Generika wählen: 

Das  Hexal-Generikum ist in einer speziellen 28 Tabletten Blister-Packung erhältlich. Dabei ist es wichtig, dass auf dem Privatrezept dabei sowohl die Menge mit "28" als auch der Hinweis "zur Verblisterung" und der Einsatz als "PrEP" steht. Die Abgabe der dreifachen Menge (3x28) ist ebenfalls möglich. Ein kostenloser Versand der PrEP wird angeboten, die Abgabe des Rezeptes in der Apotheke selbst muss aber persönlich erfolgen. Da diese spezielle Blisterverpackung momentan nur in speziellen Apotheken erhältlich ist, kannst du dieses Rezept auch nur dort einlösen. Hier findest du eine Liste mit den teilnehmenden Apotheken. Dieses Medikament kannst du für 40 Euro im Monat bekommen. 

Diese Apotheken (aktuelle Liste) bieten dir die Hexal PrEP an:

Die Folgenden PrEP Varianten bekommst du bei jeder (Versand-)Apotheke:

  • Amneal Deutschland GmbH bietet DUOMEVOLEN 200 mg/245 mg mit 30 Stück (PZN: 12741322) für 48,92 €.
  • TAD Pharma bietet eine ab Werk verblisterte PrEP EMTENOVO 200 mg/245 mg Blister Filmtabletten 35 St (PZN: 14336442) mit einer Verpackungseinheit von 35 Tabletten zum Preis von 56,00 Euro an. Wichtig dabei ist, dass exakt diese Packungsgröße auf dem Privatrezept eingetragen wird, da sämtliche andere Packungsgrößen erheblich teurer sind:
  • Das ratiopharm-Generikum Emtricitabin/Tenofovir ratiopharm 200mg/245mg FTA 30 Stück (PZN: 12724393) für 69,90 € bzw. in der 3*30 Stück Packung (PZN: 12724430) für 199,90 €. 
  • Truvada® kann dir ebenfalls als PrEP verschrieben werden, allerdings kostet es ca. 800 Euro im Monat.

Ob bzw. wenn die PrEP für dich in Frage kommt, solltest du mit einem auf HIV spezialisierten Arzt oder mit einem Berater in einer Beratungseinrichtung darüber sprechen. In Hamburg kannst du dich bei Hein & Fiete jeden Donnerstag von 16 bis 20 Uhr beraten lassen. Außerdem bieten wir in Zusammenarbeit mit Casa Blanca die PrEP-Komplet an.
Von Selbstversuchen raten wir dringend ab, denn ohne ärztlichen Rat und Begleituntersuchungen birgt die PrEP erhebliche Risiken.

Stand: März 2019

Quelle: 0314 HIV Report.de der Deutschen Aids Hilfe e.V. / www.PrEP.jetzt

 

Materialien zum Thema